Dozent: Prof. Giaco Schiesser
Lernziele
Ziel des Kolloquiums ist, sich ein vertieftes Verständnis einer der zentralen Produktivkräfte künstlerischen Arbeitens zu erarbeiten. Im Vordergrund stehen gleichermassen: eine Besichtigung der unterschiedlichen Traditionen, eine
Diskussion aktueller Positionen und die Reflektion des erarbeiteten Wissens auf die eigene Arbeit als KünstlerIn bzw. MedienautorIn.
Das Kolloquium eröffnet eine Kolloquien-Reihe, die in den nächsten Semestern in lockerer Folge fortgesetzt wird.
In dieser Reihe sollen einige grundlegende "Produktivkräften künstlerischen Arbeitens" (etwa: Erfahrung, Beobachtung, Kreativität, Medialität, Stamina, Haltung) besichtigt und auf die eigene künstlerische Arbeit hin reflektiert werden.
Jedes Kolloquium ist in sich abgeschlossen und kann auch einzeln besucht werden.
Lerninhalte
(Artistic) Creativity has much to do with experience, observation and imagination, and if any one of those key elements is missing, it doesn't work.
Bob Dylan, Chronicles, Volume I, 2005
Der Begriff der Phantasie - jahrhundertelang als Synonym für Imagination und später für Einbildungskraft gebraucht - gilt seit Platon als einer der zentralen Begriffe menschlicher Wahrnehmung, menschlichen Denkens und der
Herausbildung der Konstitution von Menschen als Subjekten überhaupt. Seit seinem Auftauchen spielt er bis heute eine herausragende Rolle für die künstlerische Produktion.
In der Moderne differenzieren sich - insbesondere in Bezug auf die Kunst - drei sich widerstreitende Konzepte aus, die bis heute ihre Wirkung entfalten:
1. Negativ: Phantasie als zerstreutes, ausschweifendes Denken, der Wohllust und Willkürlichkeit hingegeben.
Phantasie lässt hier den Künstler / die Künstlerin letztlich in Zügellosigkeit und Regellosigkeit verfallen.
2. Neutral: Phantasie als "inneres Vorstellungsvermögen" (Kant), als innere Verbildlichung von Sinneseindrücken.
3. Positiv: Phantasie als schaffende, als Begrenzungen auflösende, produktive Kraft, als eigentlich kreatives
Vermögen des Verstandes. Phantasie als "Elementargeist der übrigen Kräfte" (Jean Paul), die der Künstler / die Künstlerin besonders auszubilden und zu nutzen hat.